Concerned couple sitting apart on a bed while experiencing emotional stress related to fertility challenges.

Wenn ein Paar Schwierigkeiten hat, schwanger zu werden, richtet sich der Fokus meist – leider fälschlicherweise – auf die Frau. Tatsächlich ist der männliche Faktor jedoch in bis zu 40–50 % der Fälle von Unfruchtbarkeit bei Paaren die Ursache oder trägt dazu bei. Trotzdem bleibt männliche Unfruchtbarkeit ein Thema, über das nur selten offen gesprochen wird – teils aus Scham, teils aus Mangel an Information.

In diesem Artikel erklären wir, was männliche Unfruchtbarkeit ist, welche Ursachen am häufigsten vorkommen, welche Symptome man nicht ignorieren sollte und wann der richtige Zeitpunkt ist, einen Spezialisten aufzusuchen.


Was ist männliche Unfruchtbarkeit?

Männliche Unfruchtbarkeit wird definiert als die Unfähigkeit eines Mannes, bei einer fruchtbaren Partnerin nach 12 Monaten regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs eine Schwangerschaft herbeizuführen. Die Ursache kann eine verringerte Spermienzahl, eingeschränkte Beweglichkeit, abnormale Form, das vollständige Fehlen von Spermien im Ejakulat (Azoospermie) oder eine Kombination dieser Faktoren sein.

Die gute Nachricht: Ein Großteil der Ursachen lässt sich diagnostizieren und – je nach Ursache – erfolgreich behandeln oder mithilfe reproduktionsmedizinischer Methoden (IUI, IVF, ICSI) umgehen.


Die häufigsten Ursachen männlicher Unfruchtbarkeit

1. Varikozele

Erweiterte Venen im Hodensack (ähnlich Krampfadern an den Beinen) sind die häufigste behandelbare Ursache männlicher Unfruchtbarkeit. Eine Varikozele erhöht die Temperatur in den Hoden, was die Produktion und Qualität der Spermien negativ beeinflusst.

2. Hormonelle Störungen

Ein Ungleichgewicht der für die Spermienproduktion verantwortlichen Hormone – Testosteron, FSH und LH – kann die Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigen. Die Ursache kann in der Hypophyse, im Hypothalamus oder in den Hoden selbst liegen.

3. Infektionen

Sexuell übertragbare Infektionen (wie Chlamydien oder Gonorrhoe) sowie Entzündungen wie Prostatitis oder Epididymitis können die Fortpflanzungsorgane schädigen oder den Transportweg der Spermien blockieren.


4. Genetische Faktoren

Erkrankungen wie das Klinefelter-Syndrom oder Mikrodeletionen des Y-Chromosoms können zu einer verringerten oder vollständig ausbleibenden Spermienproduktion führen.


5. Ejakulationsstörungen

Retrograde Ejakulation (bei der Sperma in die Blase statt nach außen gelangt) sowie erektile Dysfunktion können eine natürliche Empfängnis erschweren oder unmöglich machen.

6. Lebensstilfaktoren

  • Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Chronischer Stress
  • Kontakt mit Giftstoffen, Pestiziden und Schwermetallen
  • Länger andauernde Hitzeeinwirkung (Sauna, heiße Bäder, Laptop auf dem Schoß)
  • Anabole Steroide und bestimmte Medikamente

 

7. Alter

Obwohl die männliche Fruchtbarkeit langsamer abnimmt als die weibliche, verschlechtern sich die Spermienqualität und die genetische Integrität der DNA mit zunehmendem Alter, besonders nach dem 40. Lebensjahr.

Fertility specialist holding a sperm model to illustrate male fertility and sperm health.

Symptome, auf die Sie achten sollten

Männliche Unfruchtbarkeit verläuft häufig ohne sichtbare Symptome – viele Männer erfahren erst davon, wenn ein Paar über längere Zeit erfolglos versucht, ein Kind zu bekommen. Dennoch gibt es Anzeichen, die auf ein Problem hindeuten können:

  • Schwellung, Schmerzen oder ein Schweregefühl im Hodenbereich
  • Erektions- oder Ejakulationsprobleme
  • Vermindertes sexuelles Verlangen (Libido)
  • Verminderter oder spärlicher Bart- und Körperhaarwuchs (möglicher Hinweis auf ein Hormonungleichgewicht)
  • Wiederkehrende Infektionen der Fortpflanzungsorgane
  • Ungewöhnlicher Geruch, Farbe oder Konsistenz des Ejakulats

Wenn Sie eines dieser Symptome bemerken, sollten Sie nicht ein Jahr erfolgloser Versuche abwarten – es lohnt sich, frühzeitig einen Spezialisten aufzusuchen.


Wann sollte man Hilfe suchen?

Die allgemeine Empfehlung lautet, sich nach 12 Monaten regelmäßiger erfolgloser Versuche an einen Spezialisten zu wenden, beziehungsweise bereits nach 6 Monaten, wenn die Partnerin über 35 Jahre alt ist.

Männer sollten unabhängig von diesem Zeitrahmen früher Hilfe suchen, wenn:

  • eine Hodenoperation, ein Leistenbruch oder Prostataprobleme in der Vorgeschichte bestehen
  • eine Krebsbehandlung (Chemotherapie, Bestrahlung) stattgefunden hat
  • eine familiäre Vorgeschichte von Fruchtbarkeitsproblemen besteht
  • eines der oben genannten Symptome bemerkt wird

 

Wie läuft die Diagnostik ab?

Der erste und wichtigste Schritt zur Beurteilung der männlichen Fruchtbarkeit ist das Spermiogramm – eine Analyse, die Aufschluss über Anzahl, Beweglichkeit und Morphologie der Spermien gibt. Je nach Ergebnis kann der Spezialist weitere Untersuchungen vorschlagen: Hormonstatus, genetische Tests, Ultraschall des Hodensacks oder einen Test zur DNA-Fragmentierung der Spermien.

 

Wie geht es weiter – Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Ursache kann die Behandlung Folgendes umfassen:

  • Änderung des Lebensstils – in leichteren Fällen kann dies allein die Spermienqualität deutlich verbessern
  • Medikamentöse oder hormonelle Therapie
  • Chirurgische Korrektur (z. B. bei einer Varikozele)
  • Reproduktionsmedizinische Verfahren – IUI, IVF oder ICSI, die auch bei schwerer männlicher Unfruchtbarkeit eine Empfängnis ermöglichen

Fazit

Männliche Unfruchtbarkeit ist häufiger, als viele denken – in den meisten Fällen jedoch diagnostizierbar und behandelbar. Der Schlüssel liegt darin, frühzeitig einen Spezialisten aufzusuchen und offen als Paar darüber zu sprechen, ohne Scham und ohne zu zögern.

Wenn Sie und Ihr Partner/Ihre Partnerin schon länger versuchen, ein Kind zu bekommen, unterstützt Sie unser Team dabei, den richtigen Spezialisten und die richtige Klinik zu finden – im Rahmen eines kostenlosen Erstgesprächs.


Vereinbaren Sie ein kostenloses Gespräch mit dem VivaFert-Team