pregnant woman holds her husband

Einleitung

Immer mehr Frauen entscheiden sich nach dem 40. Lebensjahr für eine Kinderwunschbehandlung – sei es, weil sie später einen Partner gefunden haben, aus beruflichen Gründen, aufgrund früherer gesundheitlicher Umstände oder einfach, weil eine natürliche Empfängnis bis dahin ausreichte. Im Internet kursieren sowohl übertrieben optimistische als auch übertrieben abschreckende Artikel zu diesem Thema.

In diesem Artikel präsentieren wir reale Zahlen auf Basis von Daten aus relevanten Kinderwunschregistern und erklären, wovon die Erfolgschancen nach dem 40. Lebensjahr tatsächlich abhängen.

 

Warum die Fruchtbarkeit mit dem Alter abnimmt

  • Die ovarielle Reserve (Anzahl der verbleibenden Eizellen) nimmt im Laufe des Lebens natürlich ab, nach dem 35. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Rückgang
  • Auch die Eizellqualität nimmt ab – mit steigendem Alter erhöht sich der Anteil der Eizellen mit chromosomalen Fehlern (Aneuploidie)
  • Laut Daten der ASRM weisen bei Frauen zwischen 35 und 40 Jahren rund 64 % der Embryonen eine chromosomale Abweichung auf, im Vergleich zu rund 52 % bei Frauen unter 35
  • Dies ist der Hauptgrund, warum mit dem Alter das Fehlgeburtsrisiko steigt und die Chance auf einen einnistungsfähigen Embryo sinkt

 

Erfolgschancen nach Alter (mit eigenen Eizellen)

Laut Daten des US-amerikanischen SART-Registers – eines der größten und transparentesten Kinderwunschregister weltweit – sieht die Lebendgeburtenrate pro begonnenem Zyklus (ab Eizellentnahme) folgendermaßen aus:

  • Unter 35 Jahren: etwa 43 %
  • 35–37 Jahre: etwa 31 %
  • 38–40 Jahre: etwa 19 %
  • 41–42 Jahre: etwa 9 %
  • Über 42 Jahre: etwa 3 % oder weniger

Hinweis: Europäische Register wie ESHRE zeigen einen ähnlichen Abwärtstrend, wobei die genauen Zahlen von Land zu Land und von Klinik zu Klinik variieren.

 

Was diese Zahlen in der Praxis bedeuten

  • Dies sind nationale Durchschnittswerte, keine individuelle Prognose – zwei gleich alte Frauen können eine völlig unterschiedliche ovarielle Reserve und unterschiedliche Chancen haben
  • Wird ein genetisch normaler (euploider) Embryo übertragen, ist die Erfolgschance bei jüngeren und älteren Frauen ähnlich – das größte Problem nach dem 40. Lebensjahr ist nicht die Gebärmutter, sondern der Anteil genetisch normaler Eizellen bzw. Embryonen
  • Deshalb wird die PGT-A-Testung (genetische Untersuchung der Embryonen vor dem Transfer) zunehmend Teil der Strategie für Frauen nach dem 38.–40. Lebensjahr – sie erhöht nicht die Anzahl der Eizellen, hilft aber, den Embryo mit der höchsten Erfolgschance auszuwählen

Kumulative Chance nach mehreren Versuchen

Ein einzelner Zyklus liefert selten das vollständige Bild. Studien, die die kumulative Chance nach mehreren Zyklen über zwei Jahre verfolgen, zeigen deutlich höhere Zahlen:

  • 40 Jahre: etwa 56 %
  • 41 Jahre: etwa 39 %
  • 42 Jahre: etwa 31 %
  • 43 Jahre: etwa 19 %
  • 44 Jahre: etwa 11 %
  • 45 Jahre: etwa 4 %
  • Über 46 Jahre: nahezu 0 %

Es handelt sich um eine repräsentative Studie, keinen universellen Standard, sie veranschaulicht jedoch gut das Prinzip: Mehrere Zyklen erhöhen die Gesamtchance tatsächlich, insbesondere bis zum 43. Lebensjahr, während zusätzliche Versuche mit eigenen Eizellen nach dem 44.–45. Lebensjahr immer weniger bringen. Dies sollte sowohl finanziell als auch emotional bei der Planung der Anzahl der Versuche berücksichtigt werden.

Symbolbild: cremefarbene Formen, die Spermienzellen ähneln, bewegen sich auf eine rote Blüte zu, auf rosafarbenem Hintergrund.

Wann eine Eizellspende in Betracht gezogen werden sollte

Für viele Frauen nach dem 43.–44. Lebensjahr, oder früher bei deutlich verminderter ovarieller Reserve, wird die Eizellspende zu einer realistischen und oft empfohlenen Option – nicht, weil es sich mit eigenen Eizellen nicht zu versuchen lohnt, sondern weil die Erfolgschance mit Spendereizellen vor allem vom Alter der Spenderin (in der Regel 20–30 Jahre) abhängt, nicht vom Alter der Empfängerin. Deshalb liegt die Erfolgsrate mit Spendereizellen bei Frauen über 40 weiterhin bei rund 50 % pro Zyklus.

 

Hinweis: Mehr zum Ablauf der Eizellspende, zur Spenderinnenauswahl und zu den Kosten nach Ländern haben wir in einem anderen Artikel beschrieben, den Sie HIER lesen können.


Was Sie realistisch tun können

  • Lassen Sie vor Beginn eine vollständige Diagnostik durchführen (AMH, AFC, Hormonstatus, allgemeiner Gesundheitszustand) – das liefert ein genaueres Bild als das Alter allein
  • Besprechen Sie mit Ihrer Klinik eine realistische Strategie: wie viele Zyklen geplant werden sollten, ob PGT-A einbezogen werden soll, wann eine Spende in Betracht gezogen werden sollte
  • Achten Sie auf Lebensstilfaktoren (Gewicht, Rauchen, Alkohol) – sie können Eizellen nicht „verjüngen”, aber die allgemeinen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft verbessern
  • Bereiten Sie sich emotional und finanziell darauf vor, dass mehr als ein Versuch nötig sein könnte
  • Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf generische Prozentzahlen aus dem Internet – Ihre persönliche Prognose hängt von Ihren eigenen Befunden ab, nicht von Durchschnittswerten

Fazit

Das Alter ist ein wichtiger Faktor bei der Kinderwunschbehandlung, aber nicht der einzige, und es gibt keine einheitliche Antwort, die für alle Frauen über 40 gilt. Eine realistische Einschätzung erfordert Einblick in die persönliche ovarielle Reserve, den allgemeinen Gesundheitszustand und die bisherige Behandlungsgeschichte – nicht nur das kalendarische Alter.

 

Wenn Sie über eine Kinderwunschbehandlung nach dem 40. Lebensjahr nachdenken, unterstützt Sie unser Team dabei, Ihre Befunde zu verstehen, realistische Erwartungen zu entwickeln und zu entscheiden, welche Strategie – mit eigenen oder mit Spendereizellen – für Ihre Situation am besten geeignet ist.

 

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